Selbstwirksamkeit ist ein Begriff aus der Persönlichkeitspsychologie. Diese Eigenschaft ist ein wichtiger Bestandteil der Resilienzhttp://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/beruf/resilienz-die-unsichtbare-kraft-13339688.html

Die Selbstwirksamkeit hat ihre Basis in dem Prinzip von Ursache und Wirkung.

Das bedeutet konkret, dass alles, was du tust Folgen hat. Ebenso hat alles, was du unterlässt, Folgen. Selbstwirksamkeit ist das Gegenteil zur Opfermentalität und zur “erlernten Hilflosigkeit” (siehe unten). Sie führt dazu, dass du die Macht über dein eigenes Leben annehmen kannst.

Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit Definition

“Unter Selbstwirksamkeit (self-efficacy beliefs) versteht man in der Psychologie die Überzeugung eines Menschen, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können” (Stangl, 2018).

Selbstwirksamkeit stärken

Selbstwirksamkeit ist nicht von Geburt an vorhanden. Wie viele andere Fähigkeiten auch, wird sie im Laufe des Lebens erworben, gestärkt und trainiert.

1) Selbstwirksamkeit erwerben in der Kindheit

Die Kindheit ist die Zeit, in der Eltern einen Werkzeugkoffer für ihre Kinder zusammenstellen. Die meisten engagierten Eltern legen damit eine gute Basis für eine glückliche und erfolgreiche Zukunft ihrer Kinder. Selbstwirksamkeit gehört in jedem Fall zu den wichtigen Werkzeugen.

Um einem Kind diese Kompetenz zu vermitteln, sollten drei Verhaltensweisen tabu sein.

a) Willkür

Ein Kind braucht Verlässlichkeit, wenn es sich entwickeln will. Ein geborgenes Kind lernt, dass die Eltern immer ansprechbar und herzlich sind, wenn das Kind Kummer hat. Eltern, deren Verhalten nicht berechenbar ist und die sich ihren Launen hingeben, verwirren das Kind und erschweren seine Orientierung im sozialen Bereich. Ein Kind kann nicht verstehen, warum die Eltern einmal lieb, einmal gereizt und ein anderes Mal hart und abweisend sind. Es hat das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Damit ist Selbstwirksamkeit nahezu ausgeschlossen.

b) übermäßiges Verwöhnen

Wenn einem Kind alles abgenommen wird, macht es nicht die Erfahrung, dass es Ursachen setzen kann, die Wirkungen erzielen. Es fühlt sich vordergründig wohl und hintergründig in der passiven Rolle. Deshalb sollte ein Kind alles, was es will, braucht oder wünscht, dem Alter entsprechend zuerst selbst versuchen. Eltern, die ihr Kind zu starken Erwachsenen erziehen möchten, fragen nicht: “Was brauchst du?”, sondern sie sagen: “Lass uns nach einem Weg suchen, wie du dein Ziel selbst erreichen kannst.”

c) Gewalt

Gewalt in der Kindheit sollte nicht mehr erwähnenswert sein. Leider ist die Realität eine andere. Ein Kind, das Gewalt erfährt, fühlt sich ohnmächtig, klein und ausgeliefert. Damit ist nicht nur die körperliche Gewalt gemeint, eine noch subtilere Form ist die psychische Gewalt. Die psychische Gewalt durch Worte ist allzu oft dem Erwachsenen nicht bewusst, weil er diese Form der Gewalt selbst erfahren hat und die gewählten Worte einfach übernommen werden.  Die Auswirkungen dieser Form der Gewalt sind im Vergleich zur körperlichen Gewalt nicht gleich sichtbar.  Die Selbstwirksamkeit wird damit unterbunden. Zu dem Thema wie unsere Worte auf Kinder wirken und welche Folgen daraus entstehen empfehle ich dir das Buch von Sabine Unger “Das schaffst du nie”*. Dieses Buch hilft meiner Meinung nach enorm überhaupt erst aufzudecken und auch die “Bannbotschaften” nicht an die nächste Generation weiterzugeben.

Das schaffst Du nie

Erlernte Hilflosigkeit

In den 1960-er Jahren hat der Psychologe Seligmann die so genannte erlernte Hilflosigkeit erkannt und erforscht. https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/hilflosigkeit-erlernte/6552
Demnach werden Menschen depressiv, wenn sie das Gefühl haben, die Kontrolle über ihr eigenes Leben zu verlieren. Außerdem sind sie der festen Überzeugung, an der Hilflosigkeit selbst schuld zu sein.

Die Kombination von Hilflosigkeit und Schuldgefühl führt zu einer Depression. 

Selbstwirksamkeit wirkt gegen diese negativen Gefühle. Die Störung wird in der Kindheit erworben, wenn die Eltern versäumen, ihrem Kind die macht über ihr eigenes Leben zu zeigen und zu trainieren.

 

2) Selbstwirksamkeit stärken als Erwachsener

Wer als Kind unter Willkür, Gewalt oder überzogenem Verwöhnt werden gelitten hat, kann als Erwachsener unter “erlernter Hilflosigkeit” leiden. Spezielle Hinweise darauf sind Aussagen wie zum Beispiel:

  • Ich bin Kummer gewöhnt.
  • Ich habe eben immer Pech.
  • Daran kann ich nichts machen.
  • Ich bin ein Verlierer.

Wenn du als Erwachsene Person deine Selbstwirksamkeit trainieren willst, stehen dir zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung.
Überfordere dich nicht. Der Kopf begreift oft viel schneller als die Seele. Deshalb solltest du dir für Selbstwirksamkeit Übungen immer mindestens eine Woche pro Übung nehmen. Es braucht Zeit, bis die Seele neue Verhaltensweisen verarbeitet hat.

Die folgenden Übungen helfen dir, nach und nach mehr Selbstwirksamkeit zu entwickeln.

Übung 1 – Erfolge wahrnehmen

Besorg dir ein Notizbuch und notiere jeden Abend, was dir am betreffenden Tag gelungen ist. Notiere dir, was du für das gute Ergebnis getan hast. Ersetze den Satz: “Ich hatte Glück” gegen “Ich habe es verdient.”

Übung 2 – Starte ein Projekt

Gibt es etwas, was dich ärgert? Oder vielleicht etwas, was dir fehlt? Dann krempel die Ärmel hoch und mach es. Du könntest zum Beispiel ein Nachbarschaftsfest organisieren. Auch ein kleiner privater Flohmarkt ist ein guter Anfang. Wenn du politisch aktiv sein möchtest, informiere dich darüber, ob jemand für das sammeln von Unterschriften oder die Betreuung eines Infotisches gesucht wird.

Jede Aktion, die du ins Leben rufst und bis zum Ende durchführst, stärkt deine Selbstwirksamkeit

Übung 3 – Handle strategisch

Wenn du gerade in einer Situation bist, in der es ein Problem zu lösen gibt, erstelle dir eine Strategie. Beantworte dir selbst die folgenden Fragen:

  • Was muss getan werden?
  • Wer wird was tun? – Antwort: Ich
  • Wann wird es getan? – Antwort: Unverzüglich
  • Warum muss es getan werden?
  • Welches Gesamtziel soll erreicht werden?

So behältst du das Gefühl, dass die Lösung des Problems in deiner Hand liegt. Du kannst es, Glück und Zufall brauchst du nicht!

Übung 4 – Lebe deine Stärken aus

Jeder Mensch hat Stärken. Dabei spielt es keine Rolle, ob deine Stärken gerade von der Gesellschaft gut bezahlt werden. Wenn du besonders gut malen kannst, nutze diese Stärke. Beginne damit, Geburtstagsgrüße an Freunde und Verwandte selbst zu gestalten. Wenn deine Stärke im Backen von Kuchen ist, biete deine Stärke der Kirchengemeinde oder einer anderen Institution an.

Such dir eine Gruppe, in der deine speziellen Stärken einen Wert haben.

So erlebst du, dass du ein wichtiges Mitglied einer Gruppe bist und etwas bewegen kannst.

Verwendete Literatur
Stangl, W. (2018). Stichwort: ‘Selbstwirksamkeit‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: http://lexikon.stangl.eu/1535/selbstwirksamkeit-selbstwirksamkeitserwartung/ (2018-09-17)